Der ganz normale Wahnsinn…











{22. April 2010}   Trennungsschmerz

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass der Zeitpunkt kommt an dem man sich eingestehen muss: Es geht nicht mehr.

Jahrelang teilten wir nicht nur Bett und Badewanne, sondern auch Geheimnisse.
Wichtige Lebensphasen bestritten wir gemeinsam.
Beruflich wie privat waren wir ständige Begleiter, ob bei wichtigen Terminen oder bei spannden Verabredungen… Doch nun naht das Ende.

Dies ist ein Abschiedswort an meine Baby-G.

Unser gemeinsamer Weg begann in meiner Teenagerphase vor etwa 13 Jahren. Der glückliche Zufall eines Schlüsselbundfundes und dessen große Bedeutung für die Besitzer bescherte mir einen beachtlichen Finderlohn und gab mir die Möglichkeit eines der wenigen Dinge zu kaufen, die damals „alle“ (Mädchen) hatten und das auch ich unbedingt haben musste: eine Baby-G.

Das Highlight: 8 Zeichen Schwarmspeicher! Wow! Wie toll ist es doch, wenn alle 20 Sekunden der Name des Schwarms durch’s Display läuft – zumindest wenn man Teenie ist.
Während meiner Schulzeit fand dieses Feature rege Anwendung mit wechselnden Namen, wie das eben so ist bei kleineren und größeren, meist geheimen Schwärmereien. Doch auch während meiner ersten langjährigen Beziehung erfreute ich mich noch an dem Gedanken, den Namen meines Partners 180 Mal in der Stunde, 4.320 Mal am Tag und 1.572.480 Mal im Jahr über das digitale Interface huschen zu lassen. Als auch dieser Name für mich an Bedeutung verlor, machte ich mir Gedanken über die Vergänglichkeit derartiger Gefühlsbekundungen und suchte nach etwas Bedeutungsvollerem. Fortan schmückte das Wort „Life“ meinen ständigen Begleiter. Seit dem letzten Batteriewechsel, von denen das gute Stück in der langen Zeit nur zwei hinter sich bringen musste, begnügte ich mich mit der Werkseinstellung: „Baby-G“. Das einst unverzichtbare Feature war unwichtig geworden. Eng verwachsen blieb ich jedoch mit der Uhr selbst.

In den letzten 13 Jahren haben wir vieles erlebt und sie erwies mir treue Dienste. Jeden Tag um 20:00 Uhr erinnerte sie mich daran, dass ich mit dem Kinderbekommen noch warten wollte. Zu unzählbaren Terminen ließ sie mich pünktlich erscheinen. Noch viel häufiger sorgte sie dafür, dass ich in meiner Trödelei nicht den Bus oder den Zug verpasste. Mit mir bestritt sie drei Umzüge durch drei Bundesländer und mit mir war sie im Urlaub.

Nur selten legte ich meine Baby-G ab. Ich ging mit ihr schlafen, duschen, ins Schwimmbad, zum Wandern, zum Arbeiten. Wenn ich sie nicht trug, fühlte ich mich unvollständig und schaute hilflos auf meinen linken Arm, wenn ich dort nicht die Uhrzeit oder das Datum vorfand – weil ich sie doch mal abgelegt hatte. Mindestens zehn Waschgänge musste das Armband über sich ergehen lassen, weil man ihm ansah, dass es ständig und überall im Einsatz war. Mehrmals musste die Uhr ihre Schockresistenz beweisen, weil ich ungeschickt an Türen anschlug. Doch auch das robusteste Material gibt bei dieser Belastung einmal auf – und so kam es, dass vor zwei Tagen von meiner geliebten Baby-G ein Teil abfiel… und noch eins.. und heute Nacht schließlich ein drittes, das ich beim Aufstehen in meinem Bett wiederfand. Weitere Risse sind unübersehbar. Nach Jahren der Temperatur- Feuchtigkeits- und Stoßbelastung hatte nicht nur der Bügel Kratzer bekommen, sondern das gesamte Material empfindlich gelitten – und so muss ich mir heute eingestehen, dass die Tage dieses geliebten Stückes, das während sich vieles änderte immer an meiner Seite blieb, gezählt sind.
13 Jahre Langzeitstudie mit Dauerbelastung – 13 Jahre Erinnerungen.

Vielen Dank für all die Jahre – auf Wiedersehen Baby-G!

Die Zeichen der Zeit in Bildern:

Gesamtansicht von vorn

Bruchstuecke

Bruchstelle

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Thomas says:

Och nööö, das tut mir echt leid 😦
Auch wenn ich beim Lesen des gesamten Beitrags ein kleines Lachen im Gesicht hatte (weil deine Formulierungen manchmal echt zum Wegschmeißen sind), musste ich am Ende mit einer Träne „kämpfen“.

Wie man an diesem Beispiel sieht…auch Uhren haben Gefühle und diese können sich in einem Herzen vom Menschen reinbohren…aber leider auch kaputt machen.



Fedora says:

Ich habe Kleber.. ich denke, es wird eine Gnadenfrist geben… mal sehen, wie lange. Ein bisschen muss sie noch, die aktuelle Kollektion gefällt mir nicht.^^



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