Der ganz normale Wahnsinn…











{6. Februar 2013}   Totgesagte leben länger…

… aber auch nicht ewig.

Bis zum 2.2. hatte meine bereits hier erwähnte Baby-G nun noch eine Gnadenfrist, weil ich mich trotz nach und nach abfallender Teile, einfach nicht von ihr trennen konnte. Sie sah nun zwar etwas nackt aus und ich verzichtete lieber darauf, mich noch auf ihre Wasserdichte zu verlassen, aber ebenso zuverlässig wie in den vorangegangenen Jahren, zeigte mir sie Tag für Tag Datum und Uhrzeit an und so durfte die klapprige Alte an meinem Arm verweilen… bis, ja bis… sie plötzlich nichts mehr zeigte… gar nichts. Am Abend des 1.2. blieb ihr Display plötzlich einfach leer und obgleich ich sie noch den ganzen darauf folgenden Tag am Arm trug, wurde mir klar: Das war tatsächlich das Ende. Endgültig. Einen Batteriewechsel würde in diesem Zustand niemand mehr bei ihr vornehmen…
Und so geht sie nun wirklich dahin und nimmt mit einem Anklang von Melancholie ganz alte Erinnerungen mit sich…

Gute Reise, alte Seele.

Uhr mit leerem Display

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{15. August 2012}   Versetzungsgefährdung

Seit einem halben Jahr gehöre ich nun dem Land – zumindest vorübergehend – und eines habe ich schon sehr früh gelernt:
Wenn man dem Land gehört, ist man versetzungsgefährdet!

So bekam ich zu Beginn des Jahres einen freundlichen Brief, der mich in den letzten fünf Monaten zu folgendem brachte:

  • einem unverzichtbaren Auto
  • umfangreichen Kenntnissen über Thüringens Inland
  • ebenso umfangreichen Kenntnissen über Straßenbau-Unternehmungen in Form von Baustellenampeln, Straßensperren, Baumschnittarbeiten, Vorfahrtsänderungen und Umleitungen
  • 8362 gefahrenen Kilometern
  • 87 berufsbedingten Übernachtungen in sieben verschiedenen Orten, vier verschiedenen Pensionen, drei Couchsurfingunterkünften und zwei Herbergen

… und das in einem Job, der eigentlich nicht das Geringste mit Außendienst zu tun hat.

Man lernt dabei auf jeden Fall vieles kennen: Menschen, Straßen, Kurven, seltsame Beschilderung, Gegend, sein Auto, sich selbst, …
Man lernt auch, vieles zu ertragen: Pensionskuriositäten, Menschen, Eiskratzen, Kurven und Kehren, Müdigkeit, sich selbst, …
Man lernt aber auch, dass es zu Hause am schönsten ist; selbst dann, wenn im Haushalt alles liegen bleibt und sich die Wäscheberge immer höher stapeln, weil man nicht mehr hinterherkommt.

Deshalb bin ich unendlich erleichtert, dass ich nun erneut versetzt wurde – diesmal auf eigenen Antrag. Endlich wieder zu Hause schlafen!

Hier noch ein Bildchen aus der Reihe Pensionskuriositäten:
(Das Zimmer befand sich in Bahnhofsnähe, im Schrank stand Herzchengeschirr und ich habe lieber nicht genauer nachgefragt, wieso es manchmal (nur) tagsüber belegt war. Ich bin mir aber sicher, dass kein Zimmer so oft und gründlich gereinigt wurde wie dieses. 😉 )

Armor mit Pfeil an der Pensionswand



{18. Dezember 2010}   Danke, ich kenne es jetzt!

Der Blick in meine Mailbox am heutigen morgen schenkte mir eine Mail mit dem Betreff „Thüringen“ und einem Youtube-Link. Ohne ihn anklicken zu müssen, wusste ich – und auch der geneigte Leser wird es ahnen – was sich am anderen Ende dieses virtuellen Wurmlochs befinden würde. Richtig: Eine Komposition eines gewissen Rainald G. über Thüringen. Informierten Lesern wird bekannt sein, dass ein ähnliches Werk auch über mein Heimatbundesland Brandenburg existiert.

Manche Zeile dieses Liedguts hat durchaus einen gewissen humorösen Charme, manch andere nenne ich mal diplomatisch „eher weniger passend“. Dass man vor allem durch Mecklenburg-Vorpommern und teils weniger durch Brandenburg muss, „wenn man zur Ostsee will“, ist dem Texter ebenfalls nicht aufgefallen, aber lassen wir das mal dahingestellt – wenn man aus NRW stammt, weiß man das alles ja vielleicht nicht so genau.

Was ich mit diesem Blogeintrag aber vor allem sagen möchte ist: Diese Lieder schwirren seit drei bzw. vier Jahren durch Internet, mp3-Player und Langzeitgedächtnisse. Als gebürtiger Brandenburger und zugezogener Thüringer haben mich nunmehr gefühlte 50 Personen (viel weniger waren es vermutlich wirklich nicht) mit Links, Hör- und Gesangsproben dieser Lieder „beglückt“. Diesen Menschen möchte ich hiermit in aller Öffentlichkeit sagen: Danke, ich kenne es jetzt – und nein, es wird auch durch mehrmaliges Anhören nicht überzeugender. Ich habe inzwischen fast alle Bundesländer besucht, habe lange Zeit sowohl in Niedersachsen als auch in Berlin gewohnt und ich lebe trotzdem lieber in Thüringen und fahre sehr gern nach Brandenburg zurück. Ich benötige ganz, ganz wirklich keine weiteren Links zu diesen Gesangsstücken.

Und weil’s so schön ist, noch ein aktuelles Bild aus der Reihe „Thüringer Ansichten“:

Auto im Schnee



{28. September 2010}   Zeit für Veränderung

Ein Grundsatz den ich fasste als ich vor einigen Jahren in die Haupstadt zog lautete: Hier werde ich nicht alt…

… das war nun schon vor einer ganzen Weile…

… das Studium abgeschlossen, der Zeitpunkt günstig…

… es ist also Zeit…

… Zeit für einen neuen Abschnitt…

… Zeit für die Rückkehr zur Kleinstadt!

Ende August sitze ich auf gepackten Kisten:

gepackte Kisten

Einige Stunden später ist der Umzugswagen voll – an dieser Stelle noch einmal einen riesengroßen Dank an meine vielen Helfer! – Dann geht es endlich richtig los! Raus aus der City, rein ins grüne Herz Deutschlands. Ich freue mich schon lange auf diesen Moment – am Ende bin ich aber doch ein bisschen wehmütig – nicht wegen Berlin, aber wegen der vielen liebgewonnenen Menschen, die ich jetzt zurücklassen muss. Dennoch… ich freue mich, als ich endlich das Landesschild passiere:

Sie haben ihr Ziel erreicht - Schild

Thüringen – Sie haben Ihr Ziel erreicht (im Dunkeln während der Fahrt aufgenommen). Ja! Die Wartezeit war schließlich lang genug.

Dann stehe ich vor dem Haus in das ich bald einziehen werde – ja, bald. An diesem Tag noch nicht ganz. Wir haben noch keine Schlüssel für unsere Wohnung im ersten Stock, es wird noch saniert. Stattdessen tragen wir den Großteil der Möbel in den Keller:

Moebel und Kisten im Keller

Was da nicht hineinpasst, wandert vorübergehend in eine leere Wohnung im vierten Obergeschoss. Schlafen müssen wir vorerst im Studentenwohnheim. Schon klar, der ganz normale Wahnsinn eben.

Jetzt heißt es also erstmal abwarten…

… noch ein paar Tage…

… und dann noch einen…

Nach zehn Tagen ist es endlich soweit – Schlüsselübergabe. Puh… also das ganze Zeug aus dem vierten Stock wieder nach unten. Was im Keller steht muss warten bis Tapeten an den Wänden sind… wir ziehen in eine Baustelle ein, immerhin finde ich eine Ecke, in der ich mir meinen Arbeitsplatz einrichten kann.

Arbeitsplatz zwischen den Kisten

Weitere drei Wochen später nun herrscht immernoch ziemliches Chaos. Tapeten fehlen nur noch in Flur und Bad, aber eingerichtet sind wir noch nicht. Die Sachen aus dem, übrigens fremden Keller, haben wir umgelagert, teils in die Wohnung, teils in unseren nun zugewiesenen eigenen Keller, weil noch kein Platz dafür ist. Bürokratie und Arbeitszeiten lassen alles sehr schleppend vorangehen. In den nächsten Tagen muss ich nochmal zurück, um eine ausstehende Bescheinigung von der Uni abzuholen. Bei zwei der drei dafür notwendigen Personen habe ich schon einen Termin bekommen… aber das ist ein anderer Wahnsinn, von dem ich vielleicht ein anderes Mal berichten werde…

Vorerst möchte ich diesen Bericht noch mit etwas Positivem abschließen…

gruene Aussicht auf die Berge

… mit der herrlichen Aussicht, die ich nun in meiner neuen Wohngegend genießen kann.



{22. April 2010}   Trennungsschmerz

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass der Zeitpunkt kommt an dem man sich eingestehen muss: Es geht nicht mehr.

Jahrelang teilten wir nicht nur Bett und Badewanne, sondern auch Geheimnisse.
Wichtige Lebensphasen bestritten wir gemeinsam.
Beruflich wie privat waren wir ständige Begleiter, ob bei wichtigen Terminen oder bei spannden Verabredungen… Doch nun naht das Ende.

Dies ist ein Abschiedswort an meine Baby-G.

Unser gemeinsamer Weg begann in meiner Teenagerphase vor etwa 13 Jahren. Der glückliche Zufall eines Schlüsselbundfundes und dessen große Bedeutung für die Besitzer bescherte mir einen beachtlichen Finderlohn und gab mir die Möglichkeit eines der wenigen Dinge zu kaufen, die damals „alle“ (Mädchen) hatten und das auch ich unbedingt haben musste: eine Baby-G.

Das Highlight: 8 Zeichen Schwarmspeicher! Wow! Wie toll ist es doch, wenn alle 20 Sekunden der Name des Schwarms durch’s Display läuft – zumindest wenn man Teenie ist.
Während meiner Schulzeit fand dieses Feature rege Anwendung mit wechselnden Namen, wie das eben so ist bei kleineren und größeren, meist geheimen Schwärmereien. Doch auch während meiner ersten langjährigen Beziehung erfreute ich mich noch an dem Gedanken, den Namen meines Partners 180 Mal in der Stunde, 4.320 Mal am Tag und 1.572.480 Mal im Jahr über das digitale Interface huschen zu lassen. Als auch dieser Name für mich an Bedeutung verlor, machte ich mir Gedanken über die Vergänglichkeit derartiger Gefühlsbekundungen und suchte nach etwas Bedeutungsvollerem. Fortan schmückte das Wort „Life“ meinen ständigen Begleiter. Seit dem letzten Batteriewechsel, von denen das gute Stück in der langen Zeit nur zwei hinter sich bringen musste, begnügte ich mich mit der Werkseinstellung: „Baby-G“. Das einst unverzichtbare Feature war unwichtig geworden. Eng verwachsen blieb ich jedoch mit der Uhr selbst.

In den letzten 13 Jahren haben wir vieles erlebt und sie erwies mir treue Dienste. Jeden Tag um 20:00 Uhr erinnerte sie mich daran, dass ich mit dem Kinderbekommen noch warten wollte. Zu unzählbaren Terminen ließ sie mich pünktlich erscheinen. Noch viel häufiger sorgte sie dafür, dass ich in meiner Trödelei nicht den Bus oder den Zug verpasste. Mit mir bestritt sie drei Umzüge durch drei Bundesländer und mit mir war sie im Urlaub.

Nur selten legte ich meine Baby-G ab. Ich ging mit ihr schlafen, duschen, ins Schwimmbad, zum Wandern, zum Arbeiten. Wenn ich sie nicht trug, fühlte ich mich unvollständig und schaute hilflos auf meinen linken Arm, wenn ich dort nicht die Uhrzeit oder das Datum vorfand – weil ich sie doch mal abgelegt hatte. Mindestens zehn Waschgänge musste das Armband über sich ergehen lassen, weil man ihm ansah, dass es ständig und überall im Einsatz war. Mehrmals musste die Uhr ihre Schockresistenz beweisen, weil ich ungeschickt an Türen anschlug. Doch auch das robusteste Material gibt bei dieser Belastung einmal auf – und so kam es, dass vor zwei Tagen von meiner geliebten Baby-G ein Teil abfiel… und noch eins.. und heute Nacht schließlich ein drittes, das ich beim Aufstehen in meinem Bett wiederfand. Weitere Risse sind unübersehbar. Nach Jahren der Temperatur- Feuchtigkeits- und Stoßbelastung hatte nicht nur der Bügel Kratzer bekommen, sondern das gesamte Material empfindlich gelitten – und so muss ich mir heute eingestehen, dass die Tage dieses geliebten Stückes, das während sich vieles änderte immer an meiner Seite blieb, gezählt sind.
13 Jahre Langzeitstudie mit Dauerbelastung – 13 Jahre Erinnerungen.

Vielen Dank für all die Jahre – auf Wiedersehen Baby-G!

Die Zeichen der Zeit in Bildern:

Gesamtansicht von vorn

Bruchstuecke

Bruchstelle



et cetera