Der ganz normale Wahnsinn…











{21. Juni 2010}   20000 Tage

Mal wieder ein Beitrag aus der Kreativecke, diesmal gleich doppelt kreativ (aber nur einmal von mir).

Alles begann damit, dass eine Einladung zur Feier des 20000. Tages auf Erden bei mir einflatterte. Ja, DAS ist doch mal was anderes als öde Geburtstagsfeiern und so ein Jubiläum ist auch nicht so maßlos überstrapaziert. Da war mal jemand kreativ – Gruß an Xylanthrop – und veranlasste damit unbeabsichtigt auch gleich mindestens die Hälfte der Anwesenden, auch mal ihre Jubiläumstage zu berechnen. (Schreibt doch mal, wenn es euch jetzt auch erwischt hat. 😉 – Tipp: Excel/Calc)

Aber was schenkt man nun einer Frau zum 20000. Erdentag? Hat man da nicht alles, was man sich für (eine überschaubare Menge an) Geld kaufen kann? Hmm… Ich bin ja inzwischen dazu übergegangen für solche (und ähnliche) Anlässe mit einer Grundidee loszuziehen und etwas Passendes zusammenzustellen, persönliche Geschenke findet ohnehin jeder schöner. Die Grundidee war hier etwas, was man schwer schenken kann: Erholung und Entspannung. Aber braucht das nicht tatsächlich jeder mal? Also los.
Kernstück wurden schnell die herrlichen Massagesteine – die hatten es mir bereits vor einer Weile angetan und fügten sich hier prima in den Entspannungsgedanken. Alles weitere war dann eine Frage der passenden Dekoration. Am Ende blickte ich durchaus zufrieden auf mein Werk:

Quadratische Dose ausgelegt mit einem Handtuch, darauf ein Beutel mit Massagesteinen, Entspannungsbad und Massageöl

Nachträglich betrachtet muss man ein bisschen aufpassen, dass die Beschenkte nicht den Eindruck bekommt, vorher furchtbar unentspannt gewirkt zu haben, also vorher am besten mal überlegen, ob diejenige an die ihr jetzt vielleicht denkt, dazu neigen könnte. (Ja, Frauen! Da will man ihnen mal was Gutes tun und sie denken gleich wieder was Schlechtes!) Aber gefreut hat sie sich trotzdem, wie ich meine. 😉

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{20. Juni 2010}   Paketinformation

„… leider haben wir Sie am 17.6. um 10:40 Uhr nicht angetroffen.“ – So eine Nachricht ist den meisten vermutlich bekannt und normalerweise ist man froh, wenn man dann feststellt, dass das Paket bei einem Nachbarn abgegeben wurde und man nicht extra nochmal los muss, um es irgendwo abzuholen. Normalerweise sehe ich das ähnlich; an diesem Tag nicht und da es nicht das erste Mal war, dass es mir so erging, beschloss ich, mal beim DPD nachzufragen. Ich begann zunächst mit dem üblichen „Sehr geehrte Damen und Herren…“, besann mich dann (rückblickend auf meine gescheiterte freundliche Tchibo-Anfrage) eines besseren, dachte noch so: Ach, die arme Sau, die das jetzt lesen muss kann auch nichts dafür – und beschrieb über das benutzerfreundliche Kontaktformular auf der DPD-Internetseite die Situation so:


Betrifft: Paket Nr. XXXX XXXXXXXXXX

17.6. – Folgende Situation:

9:00 Uhr: Ich überprüfe meine Mails und stelle fest, dass mein Paket durch die Ausrollung ist. Ich beschließe zu Hause zu bleiben, um es nicht zu verpassen. Ich sitze 3m von der (sehr lauten und funktionstüchtigen) Klingel entfernt und arbeite am PC.

10:34 Uhr: Der DPD-Zusteller stellt mein Paket bei meinem Nachbarn im 1. Stock zu. Leider bekomme ich nichts davon mit.

~15:00 Uhr: Meine Mitbewohnerin kommt nach Hause (4. Stock) und teilt mir mit, dass im Treppenhaus (unten an der Wand) eine Paketinformation für mich hängt, die mich über den Verbleib des Paketes beim Nachbarn informiert.

20:00 Uhr: Auch nach drei Versuchen war der Nachbar nicht anzutreffen. Ich habe immernoch kein Paket.

Bitte teilen Sie mir doch mit, wenn es bei Ihnen üblich ist, dass die Zusteller nicht zunächst beim Empfänger klingeln, damit ich beim nächsten Mal weiß, dass ich besser im Treppenhaus warten sollte. Andernfalls wäre ich Ihnen dankbar, entsprechende Zusteller darüber zu informieren, dass es leichter ist die Empfänger anzutreffen, wenn man den Klingelknopf neben deren Namen drückt, um sie über ihr Eintreffen zu informieren.

Mit freundlichen Grüßen
XXXXXX

Pünktlich am nächsten Tag hatte ich eine sehr ausführliche Antwort in der Mailbox, in der nachdrücklich versichert wurde, dass es sich um ein Fehlverhalten bzw. einen Leistungsmangel auf Fahrerseite handele, der nicht dem Standard des Unternehmens entspreche (insgesamt sechs Mal). Man bestätigte mir die Berechtigung der Kritik und versicherte das Verhalten zu missbilligen. Drei Mal wurden mir Konsequenzen zugesichert und an gleich zwei Stellen entschuldigte man sich bei mir.

Jetzt hatte ich fast ein schlechtes Gewissen (dem jungen Mann gegenüber der das schreiben musste; nicht dem gegenüber, der am Tag zuvor seine Arbeit nicht anständig gemacht hatte…) Letztendlich hatte man den Fahrer angewiesen das Paket am Folgetag wieder vom Alternativempfänger abzuholen und mir direkt auszuliefern. Geklingelt hat auch an diesem Tag niemand bei mir, aber inzwischen hatte ich das Paket auch selbst von der freundlichen Nachbarin bekommen, die dazu auch nur sagte: „Na, das war ihm wohl zu weit in den 4. Stock.“ – Tja, dafür kann ich nun auch nichts. Ich war schließlich auch nicht zu Hause geblieben, um den Weg den er sich gespart hatte vier Mal zu gehen und das Paket erst am Folgetag zu erhalten – und nach ein paar Gesprächen mit anderen „Betroffenen“ (offenbar konnte jeder den ich ansprach etwas Ähnliches berichten; über Zusteller verschiedener Unternehmen!) war ich sicher: Ja, es musste mal gesagt werden – es bringt nichts, wenn man sich immer nur aufregt. Auch von mir erwartet man, dass ich meine Arbeit ordentlich mache. – Ich bin gespannt, wie das beim nächsten Paket funktioniert… Hoffen wir einfach mal, dass der Fahrer nicht zu den: „Wie? Sie können nicht lesen?“-Betroffenen gehört, wenngleich das natürlich einiges erklären könnte. Wenn ich so drüber nachdenke – die Anzahl der Buchstaben im Nachnamen der Nachbarin entspricht zumindest der in meinem Namen. Verflixt, hoffentlich hat er am Ende nicht einfach schlecht geraten! Ob ich ihn mal fragen sollte…?



{22. April 2010}   Trennungsschmerz

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass der Zeitpunkt kommt an dem man sich eingestehen muss: Es geht nicht mehr.

Jahrelang teilten wir nicht nur Bett und Badewanne, sondern auch Geheimnisse.
Wichtige Lebensphasen bestritten wir gemeinsam.
Beruflich wie privat waren wir ständige Begleiter, ob bei wichtigen Terminen oder bei spannden Verabredungen… Doch nun naht das Ende.

Dies ist ein Abschiedswort an meine Baby-G.

Unser gemeinsamer Weg begann in meiner Teenagerphase vor etwa 13 Jahren. Der glückliche Zufall eines Schlüsselbundfundes und dessen große Bedeutung für die Besitzer bescherte mir einen beachtlichen Finderlohn und gab mir die Möglichkeit eines der wenigen Dinge zu kaufen, die damals „alle“ (Mädchen) hatten und das auch ich unbedingt haben musste: eine Baby-G.

Das Highlight: 8 Zeichen Schwarmspeicher! Wow! Wie toll ist es doch, wenn alle 20 Sekunden der Name des Schwarms durch’s Display läuft – zumindest wenn man Teenie ist.
Während meiner Schulzeit fand dieses Feature rege Anwendung mit wechselnden Namen, wie das eben so ist bei kleineren und größeren, meist geheimen Schwärmereien. Doch auch während meiner ersten langjährigen Beziehung erfreute ich mich noch an dem Gedanken, den Namen meines Partners 180 Mal in der Stunde, 4.320 Mal am Tag und 1.572.480 Mal im Jahr über das digitale Interface huschen zu lassen. Als auch dieser Name für mich an Bedeutung verlor, machte ich mir Gedanken über die Vergänglichkeit derartiger Gefühlsbekundungen und suchte nach etwas Bedeutungsvollerem. Fortan schmückte das Wort „Life“ meinen ständigen Begleiter. Seit dem letzten Batteriewechsel, von denen das gute Stück in der langen Zeit nur zwei hinter sich bringen musste, begnügte ich mich mit der Werkseinstellung: „Baby-G“. Das einst unverzichtbare Feature war unwichtig geworden. Eng verwachsen blieb ich jedoch mit der Uhr selbst.

In den letzten 13 Jahren haben wir vieles erlebt und sie erwies mir treue Dienste. Jeden Tag um 20:00 Uhr erinnerte sie mich daran, dass ich mit dem Kinderbekommen noch warten wollte. Zu unzählbaren Terminen ließ sie mich pünktlich erscheinen. Noch viel häufiger sorgte sie dafür, dass ich in meiner Trödelei nicht den Bus oder den Zug verpasste. Mit mir bestritt sie drei Umzüge durch drei Bundesländer und mit mir war sie im Urlaub.

Nur selten legte ich meine Baby-G ab. Ich ging mit ihr schlafen, duschen, ins Schwimmbad, zum Wandern, zum Arbeiten. Wenn ich sie nicht trug, fühlte ich mich unvollständig und schaute hilflos auf meinen linken Arm, wenn ich dort nicht die Uhrzeit oder das Datum vorfand – weil ich sie doch mal abgelegt hatte. Mindestens zehn Waschgänge musste das Armband über sich ergehen lassen, weil man ihm ansah, dass es ständig und überall im Einsatz war. Mehrmals musste die Uhr ihre Schockresistenz beweisen, weil ich ungeschickt an Türen anschlug. Doch auch das robusteste Material gibt bei dieser Belastung einmal auf – und so kam es, dass vor zwei Tagen von meiner geliebten Baby-G ein Teil abfiel… und noch eins.. und heute Nacht schließlich ein drittes, das ich beim Aufstehen in meinem Bett wiederfand. Weitere Risse sind unübersehbar. Nach Jahren der Temperatur- Feuchtigkeits- und Stoßbelastung hatte nicht nur der Bügel Kratzer bekommen, sondern das gesamte Material empfindlich gelitten – und so muss ich mir heute eingestehen, dass die Tage dieses geliebten Stückes, das während sich vieles änderte immer an meiner Seite blieb, gezählt sind.
13 Jahre Langzeitstudie mit Dauerbelastung – 13 Jahre Erinnerungen.

Vielen Dank für all die Jahre – auf Wiedersehen Baby-G!

Die Zeichen der Zeit in Bildern:

Gesamtansicht von vorn

Bruchstuecke

Bruchstelle



… aber zum Backen!

Und das ergab sich so…
Aus hier nicht weiter erwähnten Gründen fühlte ich mich einer hier nicht weiter erwähnten Person zu großem Dank verpflichtet und da es sich bei dieser Person um einen echten Schaf- , pardon, Szaf-Fan* handelt, beschloss ich beim Durchstreifen der Osterdekoration in diversen Geschäften meinem Dank mit einem echt schaaafen Präsentkörbchen Ausdruck zu verleihen. Als ich schließlich in einem nicht weiter erwähnten Geschäft auf ein Ausstechschaf stieß war klar: Jetzt wird dafür noch eine Schafherde gebacken!
 
 

*…weil Szafe liszpeln.
 

So sah das aus, als ich mich einige Tage später ans Werk machte:

Zuerst wurden einige helle Schafe geboren…
helle Schafe beim Ausstechen

…dann ein paar dunkle:
Schokoschafe auf dem Backblech

Als sie aus dem Ofen kamen, sah das schon ziemlich schaaaf aus:
Schafherde nach dem Backen

Aber es fehlte noch ein bisschen Dekoration:
dekorierte Schafkekse

Ich fühlte mich wie ein Schafgott! Ich habe Schafe geschaffen!
Natürlich konnte ich es, einmal richtig bei der Sache, auch nicht lassen, den Schafen noch ein paar Osterhasenfreunde zu backen:
Hasenkekse und Ostereierkekse

Die fertigen Schäfchen landeten schließlich im Körbchen (fast alle…):
Geschenkkorb mit Schafkeksen und vielen anderen Schafen

Ich fürchte, keines von ihnen hat lange überlebt, aber ich hatte viel Spaß! Zu Ostern ist das Keksebacken zudem viel entspannter als zu Weihnachten – und ein bisschen Eierlikör im Teig macht aus dem Backwerk echte Osterkekse… in diesem Sinne: Schaaafe Ostern!



{5. März 2010}   Test, Test, Test…

Zwischen Prüfungswahn und Fachliteratur muss man auch hin und wieder was Simples tun, um nicht durchzudrehen und die Finger mal wieder für was anderes als zum Tippen und Seitenumblättern zu bewegen – zum Beispiel Wäschewaschen.

Nun ist ja allgemein bekannt, dass viele Wäschestücke immer empfindlicher werden – vor allem, wenn man nicht so gern das gleiche T-Shirt von der Stange trägt, mit dem schon 100 andere in der Gegend rumlaufen. Da hat man dann schonmal einiges an Handwäsche rumliegen – wenn nicht das, dann zumindest jede Menge 30°-Wäsche.

Ebenfalls hinreichend bekannt dürfte sein, dass bei solchen Temperaturen Bakterien beste Überlebenschancen haben. Allerdings – so zumindest wissenschaftliche Theorien – begünstigt übermäßige Bekämpfung von Bakterien auch die Entstehung von Allergien. Fragt sich nur noch, wann übermäßig anfängt.

So stehe ich also zwischen diesem Wissen und meiner geliebten Feinwäsche und überlege manches Mal, ob da bei der Handwäsche wirklich alles rausgeht, was rausgehen soll… und während ich so nachdenke, flattert eine Mail für ein Testprodukt ein: Persil Hygienespüler. Soll ich oder soll ich nicht? Ich denke an meinen Blogeintrag zur Schweinegrippe (ja ja, Viren soll es auch bekämpfen..) und die S-Bahnfahrten in Berlin, die sicher noch andere unerwünschte Minigäste auf meine Kleidung befördern und denke… ich probier’s vielleicht einfach mal aus. Berlin lässt bestimmt auch so noch genug Bakterien für mich übrig…

——

Inzwischen ist mein Testpaket angekommen und ich bin angenehm erfreut, dass das Mittelchen nicht so penetrant riecht wie befürchtet. Nach dem Waschen ist kaum noch was davon zu merken. Panische Tendenzen hingegen fanden sich in den Hygienetipps der beiligenden Broschüre: „Regelmäßig die Behälter für die Schmutzwäsche reinigen“? – Man kann schon ein bisschen übertreiben, oder?

Leichte Bedenken habe ich nach wie vor bei der Verwendung solcher Mittel. So steht die vermehrte Verwendung von Desinfektionsmitteln im Privatbereich im Verdacht für die Bildung resistenter Bakterien mitverantwortlich zu sein (Quelle). Eine Überlegung die sich sicher nicht so einfach von der Hand weisen lässt. Ich werde mich also darauf beschränken den Hygienespüler für meine Handwäsche und im Krankheitsfall zu nutzen und nicht für meine ganze Wäsche unter 60° – eine Kompromissentscheidung – mit den meisten meiner Bakterien habe ich mich schließlich bisher auch ganz gut vertragen. Ich halte aber Augen und Ohren offen, auf welcher Seite man am Ende richtig liegt.

Bis dahin möge jeder selbst entscheiden, welche „Gefahr“ die Geringere sein mag.
(Für Links zu wissenschaftlichen Studien hierüber wäre ich sehr dankbar!)

Wer es geschafft hat bis hier unten zu lesen, kann einen von drei Amazon-Gutscheinen im Wert von 50,- Euro gewinnen, indem er an einer kleinen Umfrage zum Persil Hygienespüler teilnimmt. Angaben von Namen sind optional! Zum Starten diesen Code eingeben: wodria-phw-cio



Dass man sich mit dem Service in Deutschland teilweise ganz schön was leistet, ist ja nichts Neues. Der Begriff der „Servicewüste“ ist wohl keinem in diesem Zusammenhang unbekannt. Nun fand ich das ja alles immer ein bisschen übertrieben. Ich möchte gar nicht, dass jemand angerannt kommt und mein Auto betankt oder ein Supermarktangestellter meine Einkaufstüten einpackt und mich muss auch wirklich nicht überall jemand fragen, ob er mir helfen kann.
Ein bisschen Bemühen allerdings, erwartet man selbst als Kunde ohne Sonderservice-Ambitionen. Es wäre zum Beispiel schön, bei Änderungen von Onlinebestellungen informiert zu werden – und besonders toll wäre es freilich, wenn man seinen bestellten Artikel am Ende auch bekommen würde…

Ende 2009:
Zu Weihnachten muss man sich auch mal was gönnen dürfen – dachte ich, als in meiner Mailbox ein Newsletter der Firma Tchibo einflatterte. Stark reduzierte Lederartikel, darunter ein langer Nappaleder-Mantel, wow! Ein Traum! Ich brauchte einen halben Tag, um zu überlegen, ob ich mir das wirklich leisten konnte – und bestellte schließlich. Ich musste diesen Mantel haben. Voller Vorfreude bestätigte ich meine Bestellung! Ja, das war eine gute Entscheidung!

Sehnsüchtig wartete ich nun auf die Ankunft dieser Errungenschaft. Und ich wartete und wartete und wartete… Eine ganze Woche wartete ich, kontrollierte auch mein Kundenkonto und stellte fest – es hatte sich nichts getan. Die Bestellung war offensichtlich eingegangen, aber nichts weiter. Über die kostenpflichtige Hotline erfuhr ich schließlich, dass man den Mantel nicht auf Rechnung verschicken wollte. Ach? Okaaaay. Aber wieso teilt man mir das nicht einfach mit? Mail? Nein, auch nicht im Spamordner. Andere schaffen es, solche Einschränkungen ab einem bestimmten Wert oder für einzelne Artikel gleich im Bestellprozess zu integrieren, hier wartet man darauf, dass der Kunde sich meldet und nachfragt. Sehr schön.
Aber ich bin ja nicht so, war froh, dass es nur das war, es wurde alles geklärt, eine andere Zahlungsart vereinbart, alles prima. Mein Kundenkonto zeigte einige Tage später auch endlich: „Artikel versendet“ und ich fing wieder an, mich zu freuen. Und dann kam wieder das Warten… ich wartete… und wartete… diesmal nur ein paar Tage. So lange sollte die Post doch nicht brauchen. Beim erneuten Blick in mein Kundenkonto traute ich meinen Augen nicht: „retourniert“ stand dort in roter Schrift. Wie jetzt? Sollte das Paket dazu nicht erstmal ankommen? Die Dame am Telefon konnte leider nicht helfen, sah auch nur was ich sah, wollte den Fall aber weiterleiten.

Einige Tage später flatterte ein Brief von Tchibo ein. Man entschuldigte sich, dass der bestellte Artikel leider ausverkauft sei. Ein Standardschreiben. Nicht, dass sowas nicht vorkommen konnte, manchmal ist eben was ausverkauft. Aber mein Paket hatte man doch bereits abgeschickt! Eine Antwort auf die Frage, wieso ich es nicht bekommen hatte, enthielt der Brief nicht. Also nochmal anrufen… Der Mitarbeiter erklärte nun, der Zusteller habe das Paket retourniert. Über den Grund ließ sich nur spekulieren, die Adresse war angeblich unbekannt. In der Bestellung war kein Fehler zu finden. Bei Tchibo hielt man es nicht für nötig, die Adressfrage zu klären, um das Paket erneut zu schicken. Stattdessen schickte man es einfach an den nächsten Besteller weiter. Ich weiß nicht, ob der Adressaufkleber falsch bedruckt wurde oder ob der Zusteller einfach dämlich war – Tchibo war das jedenfalls egal.

Über das Kontaktformular, das in der Auswahlliste für den Kontaktgrund voller Selbstsicherheit keine Beschwerde/Problem/Nachfrage-Option enthält, beschrieb ich unter „Sonstiges“ sachlich (und Dank strikter Zeichenbegrenzung auch kurz) meinen Ärger über die genannte Vorgehensweise. Schließlich hatte ich rechtzeitig bestellt und auch keinen Fehler verursacht und man hatte es nichtmal für nötig gehalten, mich zu kontaktieren, geschweige denn das Paket zurückzuhalten.
Antwort: „Wenn eine Retoure bei uns eingeht, wird der Kunde nicht automatisch davon informiert, da in den meisten Fällen der Kunde selbst die Ware retourniert hat, beziehungsweise die Post dem Kunden eine Nachricht hinterlässt, das [sic!] ein Zustellversuch unternommen wurde.
(Nachricht – vor allem, wenn die Post die Adresse nicht findet, schon klar…)
„In den meisten Fällen“ ist das sicher ein angemessenes Vorgehen. Wenn ICH etwas zurückschicke, muss man mir nicht mitteilen, dass ich das getan habe. In dem Fall, dass der Kunde die Ware aber eben NICHT selbst retourniert, ist es eine ziemlich geniale Serviceleistung, wenn man sie dann einfach an den nächsten weiterschickt. Klar, spart Arbeit. Hauptsache verkauft, an wen ist ja egal. Vielen Dank auch.
Am Ende der unglaublich gewinnbringenden Erklärungsmail, die im Übrigen keine Andeutung von Entschuldigung oder Bedauern enthielt, bat man um mein Verständnis.
Ich muss ja sagen – ich bin ein durchaus verständnisvoller Mensch, aber in der Tat muss ich mit nur geringem Bedauern feststellen, dass ich für so ein Verhalten absolut kein Verständnis aufbringen kann.



Vor einigen Monaten geht es langsam los. Meine Mutter erzählt von den Nachbarssöhnen, die, die Schweinegrippe herausfordernd, nach Spanien in den Urlaub fahren: „Wir holen uns die Schweinegrippe ab“, steht auf ihren selbstgemachten T-Shirts. Geleitet von der Hoffnung, dass der Schweinegrippevirus kein Deutsch versteht vielleicht. Zurück zu Hause kurieren sie jedenfalls erstmal ihre Schweinegrippe aus.
Eine Weile später erfahre ich von Pandemieplänen im Gesundheitswesen. Noch bleibe ich ruhig. Meine Eltern wohnen weit genug weg. Keine Schweinegrippe bei mir in der Nähe.
Vor ein paar Wochen dann, erhalte ich einen Anruf von einer Freundin – das Gesundheitsamt habe ihr nach einem Test beim Hausarzt telefonisch mitgeteilt, dass sie an Schweinegrippe erkrankt sei. Sie erzählt, es ginge ihr gar nicht so schlecht und sie sei am Vortag noch auf einer Party gewesen. Allmählich wird mir komisch… Wie viele Menschen gibt es noch, die gar nicht merken, dass sie diese Grippe haben und sie so unbewusst verteilen? Ich denke über Impfung nach und verfolge entsprechende Berichte in den Medien. Mit Unbehagen stelle ich fest, dass die Sache mit der Impfung ein zweischneidiges Schwert ist. Ungeklärte Krankheitsfälle, die Zeitung berichtet von einem Impftoten (ohne Vorerkrankungen wohlgemerkt). Ja, wie macht man es denn nun richtig? Schützt man sich jetzt besser vor der Grippe oder vor diesem vieldiskutierten Impfstoff? Ich beschließe abzuwarten.

Inzwischen liest man überall davon. Beim Einkauf in der örtlichen Drogerie lese ich die Werbung eines bekannten Herstellers für antibakterielles Hygienespray – „Vernichtet auch den H1N1-Virus“. Interessant. Ich gehe kopfschüttelnd daran vorbei, während ich mich frage, was ich nach Meinung des Herstellers wohl damit einsprühen soll. Die eigene Wohnung? Wenn der Virus dort ist, dann weil ich ihn eingeschleppt habe – was soll ich dann noch mit dem Spray? Oder soll ich es vielleicht mitnehmen zur Arbeit, in die S-Bahn und zu meinen Freunden? „Entschuldigung, aber hier könnte ja ein Schweinegrippevirus sein. – *pssss-pss*“? Das Ganze kommt mir vor wie unglaublicher Irrsinn. Und dennoch: Ich merke, wie ich jeden skeptisch anschaue, der in meiner Nähe hustet oder niest und wie ich mich frage, wieso der nicht zu Hause bleiben kann mit seiner Seuche.

So langsam beginne ich, mir wirklich Gedanken zu machen, schließlich steigen die Zahlen der Infizierten und schließlich wohne ich in Berlin, so viele Menschen – so ein Seuchenherd… und ich fange wieder an, im Netz nach einer Antwort zu suchen. Ich finde bestätigt, was sich inzwischen rumgesprochen hat: Eigentlich weiß man nicht so genau, ob eigentlich die Schweinegrippe gefährlicher ist oder der bei uns verfügbare Impfstoff (Quelle) und frage mich: Ist die Idee, statt einer Impfung mit ungewissem Ausgang, das Tragen eines Mundschutzes zu empfehlen, eigentlich sehr abwegig oder nur zu simpel?

Egal, mir reicht’s. Erstmal nachsehen, wie viele es überhaupt betrifft… Auf der Suche stoße ich auf den Blog von Tobias, der in einem älteren Beitrag schreibt: „Sie wohnen in Berlin und fahren täglich mit der S Bahn zur Arbeit und essen in der Betriebskantine, willkommen im Virenland!!!“ Na danke… jetzt fühl‘ ich mich besser.

Ich suche nach Zahlen und werde fündig:
Berlin hat etwas mehr als 3,4 Mio Einwohner und täglich werden mehr als 2,4 Millionen Personen durch die Berliner Verkehrsbetriebe befördert. Bis Mitte Oktober waren 670 Menschen in Berlin an der Schweinegrippe erkrankt. (Moment, mehr nicht? Das klingt doch gar nicht so schlimm im Vergleich zur Einwohnerzahl?) Bei einer Zahl von gut 40 Neuerkrankungen pro Woche sind wir inzwischen vielleicht bei knapp 850 Erkrankten. Selbst wenn wir von einer großzügigen Dunkelziffer ausgehen und der Einfachheit halber mit 1000 Fällen rechnen, dann sind das nur 0,029% der Einwohner von Berlin und theoretisch 0,042% der Bus- und Bahnfahrer – vorausgesetzt die Erkrankten gehören tatsächlich zu den Nutzern öffentlicher Verkehrsmittel und liegen nicht im Bett – schließlich haben sie ja eine Grippe. Und überhaupt – sind aus diesen Zahlen eigentlich die bereits wieder gesundeten Fälle rausgerechnet oder ist es Dank fortlaufender Addition gar kein Wunder, dass die Zahlen steigen?

Na fein. Ich lehne mich zurück und lasse Ruhe einkehren… Die Gefahr, in Berlin aufgrund von (Schweinegrippe-)Paranoia einen Kreislaufzusammenbruch zu erleiden, scheint höher, als an der Schweingrippe zu erkranken – und bei ca. 500000 Straftaten sowie über 100000 Verkehrsunfällen mit Personenschaden, denen man beispielsweise in dieser Stadt jährlich zum Opfer fallen kann, hat sich das Gesamtrisiko durch die Schweinegrippe doch nur unwesentlich erhöht. Bleibt doch eigentlich alles beim Alten…



Eine halbe Stunde nach dem Weckerklingeln zwinge ich mich, mich dann doch mal aus dem Bett zu bewegen. Kaffee, Toast, PC an – den Tag dafür verfluchen, dass ich mich grad so alt fühl, nur weil er noch so jung ist…

Schlürfenderweise riskiere ich einen Blick auf die Uhr. Ach verdammt, jetzt wird’s hektisch, der Kaffee muss wohl stehenbleiben, ab ins Bad, schnell anziehen – ein letzter Blick auf die Uhr – der Bus fährt in 5 Minuten – und raus. Gerade noch rechtzeitig sprinte ich über die Straße, dem 2 Minuten zu früh auftauchenden Bus entgegen, bin aber optimistisch genug um noch grinsend zu denken: „Perfektes Timing halt.“

4 Busstationen weiter denke ich: „Ah, moment mal, ich bin doch nicht…“ Doch ich bin – und zwar eine Stunde zu früh unterwegs für meinen Termin.
Gut, dass der Bus gerade an der nächsten S-Bahn-Haltestelle hält – raus also – und mit der Bahn zurück. 25 Minuten nach der Abfahrt sitze ich wieder zu Hause… und habe eine halbe Stunde Zeit, um meinen stehengebliebenen Kaffee auszutrinken
– und endlich mal die Uhr umzustellen…



{17. November 2009}   Ich blogge nicht.

Bloggen – schon dieses frontberaubte Wortgebilde! Nein, ich blogge bestimmt nicht, nienienie…



{17. November 2009}   Platz für ein paar Zeilen…

… für allgemeine Blog-Kommentare oder besondere Mitteilungen.



et cetera